Eisheilige 2020 werden ihrem Ruf gerecht

Nur für etwa eine Stunde, zwischen 4:00 und 5:00 am Morgen des 12.Mai (Pankratius), sank die Temperatur an der Wetterstation des „wetter-bw“ Messnetzes auf dem oberen Keulebuckel auf -0,1°C, doch das hatte Folgen

2020 21 Titelseite Frostschaden1Positiv war, dass es nur geringe Schäden gab, wo die schwerere kalte Luft ungehindert zu Tal fließen konnte. In Bereichen, in denen Bebauung oder dichter Bewuchs den Abfluss der Kaltluft behinderte und sich der Frost sozusagen aufstaute, zeigte sich, wie empfindlich die Reben, die bereits 6 – 8 Blätter gebildet hatten, auf so eine Situation reagieren. Hatte man zunächst noch die Hoffnung, die Gescheine genannten Traubenanlagen könnten in vielen betroffenen  Wingerten davon kommen, so zeigte sich in den Tagen bis zum 16.Mai, dass es den Reben gar nicht so leicht fiel, die durch den Frost verursachten Verletzungen wieder zu schließen. Noch Tage nach der Frostnacht schienen Absterbe-Erscheinungen anzuhalten.

Man ist ja als Winzer nach solchen Rückschlägen täglich in den Reben, um keine Gelegenheit zu verpassen, retten zu können, was zu retten ist. Dabei in blinden Aktionismus zu verfallen schadet aber mehr, als dass es nutzt. So ist es zwar verständlich, wenn man sich den Anblick der Schäden möglichst rasch aus den Augen schaffen will, aber es gilt Ruhe zu bewahren. Wer nun glaubt, die zerstörten Triebteile entfernen zu müssen, läuft Gefahr, den Trieben erneut Wunden zuzufügen und den Schaden zu vergrößern. Besser ist es, abzuwarten, bis die Rebe selbst das abgestorben Material abwirft und es vom Wind aus der Drahtanlage getragen wird.

2020 21 Titelseite Frostschaden2Immerhin blieb uns ein Schadensausmaß wie im Jahre 2017 erspart, als nahezu der gesamte Ertrag aus den Kelterner Wingerten durch Frosttemperaturen über 6 Stunden von bis zu -2,9°c zerstört wurde. Robin Bischoff vom Weingut Claus Bischoff schätzt, dass durch den Eisheiligen-Frost in diesem Jahr etwa 35% - 40% des Ertrages schon zu diesem frühen Zeitpunkt vernichtet wurde. – Man kann nur hoffen, dass man bis zum Beginn der Lese ab Mitte September von weiteren Witterungsunbilden wie Hagel oder Sonnenbrand verschont bleibt.

Wer nun glaubt, ein solcher Frost sei ein Zeichen dafür, dass es mit der Klima-Erwärmung dann doch nicht so dramatisch sein kann, dem sei darauf hingewiesen, dass späte Kälte-Einbrüche auch in wärmeren Klimata durchaus möglich sind, deren Schadensausmaß aber dadurch, dass der Austrieb bei Reben, Obst und anderen Dauerkulturen seit einigen Jahren immer früher erfolgt, ansteigt.

Letztendlich sei den Freundinnen und Freunden des Dietlinger und Ellmendinger Weines empfohlen, sich darauf einzustellen, dass der Jahrgang 2020 einer sein wird, von dem es weniger zu kaufen und genießen geben wird, als von den fantastischen Jahrgängen 2018 und 2019, die derzeit noch in ausreichender Menge bei den Erzeugern erhältlich sind.

Text und Fotos: Walter Appenzeller für den Kelterner Weinbau-Stammtisch